„Die Welt ist tief“: Lorenzo Viotti debütiert mit Mahlers Dritter bei den Berliner Philharmonikern

Philharmonie Berlin, 27. Februar 2020
Gustav Mahler  Symphonie Nr.3 d-Moll
Elina Garanca  Mezzosopran
Guillaume Jehl  Posthorn-Solo
Lorenzo Viotti  Dirigent (Foto: (c))

von Peter Sommeregger

Die  Konzertabsage von Yannick Nezet-Seguin bescherte Orchester und Publikum ein unerwartetes, aber im Grunde längst fälliges Debüt am Pult. Der junge, knapp dreißigjährige Lorenzo Viotti, Sproß einer urmusikalischen Familie, sprang kurzfristig ein, um Mahlers dritte Symphonie zu dirigieren. Offenbar so kurzfristig, dass sogar das gedruckte Programm mit einem Einlege-Zettel versehen werden musste.

Mahlers fast 100 Minuten dauerndes Werk legt die Latte für einen jungen Debütanten reichlich hoch. Im Kopfsatz meinte man auch noch eine gewisse Nervosität bei Viotti zu spüren, seine Bewegungen waren vielleicht ein wenig zu ausladend, die Generalpausen eine Spur zu lang, wodurch dieser ausladende erste Satz inhomogen wirkte. „Gustav Mahler, Symphonie Nr.3 d-Moll, Elina Garanca,
Philharmonie Berlin, 27. Februar 2020“
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Lieses Klassikwelt 23: Rosenkavalier

Tatsächlich werde ich auch heute noch dann und wann bei einer Rosenkavalier-Aufführung  wehmütig, allerdings weniger, weil mich die Sängerinnen so stark anrühren, sondern weil ich den goldenen Jahren nachtrauere, in denen Aufführungen dieses Stückes Dimensionen erreichten, von denen man sich wohl auf absehbare Zeit verabschieden muss.

von Kirsten Liese

Der Rosenkavalier ist eines meiner Lieblingswerke. Eine Strichliste habe ich zwar nicht geführt, ihn aber so oft gesehen wie keine andere Oper.

Meine besondere Beschäftigung mit dem Stück begann, als ich –  inspiriert von Elisabeth Schwarzkopf, die ich damals schon sehr verehrte – meine wissenschaftliche Examensarbeit schrieb. Mein Thema war Strauss‘ Musik im Hinblick auf die in der Partitur enthaltenen Stilkopien von Mozart und Johann Strauß. Wiewohl ich gerade erst Ende 20 war, identifizierte ich mich damals schon stark mit der wunderbaren Figur der Marschallin, wenngleich ich  ahnen musste,  dass mich die Gedanken dieser Marie-Thérèse noch weitaus stärker einholen würden, wenn ich selbst in ein vergleichbares Alter kommen würde. – Nun vielleicht nicht unbedingt schon mit 38, zumal wir ja alle immer älter werden,  aber ab Anfang 50, wenn man häufiger die Haare färben muss, die Falten im Gesicht zunehmen und man nicht mehr so gerne in den Spiegel schaut. Kurzum, den genialen „Zeit“-Monolog, das Räsonieren über das Altern und die Vergänglichkeit, kann ich inzwischen noch stärker nachempfinden.

Kürzlich schaute ich mir den neuen Rosenkavalierin der Neuproduktion der Berliner Staatsoper an, die wegen André Heller für viel Wirbel sorgte. Der Regisseur musste herbe Kritik einstecken: Die einen störten sich an dem fehlenden Rokoko-Charme, den anderen war die Inszenierung zu brav.

Aber darum muss man keinen großen Rummel machen. Für mich war es eine durchschnittliche Aufführung ohne Höhen, aber auch ohne Tiefen. Die Bühne strahlt keine Hässlichkeit aus, die Regie verortet das Stück nicht abstrus an einem abwegigen Ort, das ist in heutigen Zeiten schon viel. Was die Sängerinnen und Sänger angeht, bin ich allerdings andere Maßstäbe gewohnt, dies insbesondere im Hinblick auf die  Figur der Marschallin.

Vermutlich ist unter den heutigen zur Verfügung stehenden Strauss-Sopranen Camilla Nylund wirklich eine der besten. Sie  singt die Marschallin kultiviert, mit lyrischem Feinsinn und mit weniger Schärfen als 2019 die Kaiserin in der Wiener Frau ohne Schattenund die Capriccio-Gräfin in Frankfurt. Aber als überirdisch schön würde ich ihren Gesang nicht bezeichnen, und berührt hat sie mich nicht.

Die Marschallin, das sagte Elisabeth Schwarzkopf, die in dieser Partie überzeugte wie keine andere, ist keine Figur, mit der man auftrumpfen kann. Für die Rolle braucht es subtile Ausdrucksnuancen und eine reiche Farbpalette. Die Marschallin muss uns rühren in ihren so klugen Gedanken, in ihrer Melancholie über das Altern, in ihrem Verzicht. Wenn das alles nur so dahin gesungen wird, ist es nichts.

Oftmals sind es nur Nebensätze oder einzelne Wörter, die, entsprechend mit Elegie, Weisheit und Grandezza vorgetragen, bewegen oder eben auch nicht. Und natürlich bedarf es für die emotionalen Befindlichkeiten, wenn man sie denn schon nicht selbst durchlebt hat, zumindest der Fantasie!

Natürlich hätte ich Elisabeth Schwarzkopf allzu gerne einmal live auf der Bühne in dieser Rolle  gesehen. Als sie 1971 ihre letzte Marschallin in Brüssel sang – und das muss laut Zeitzeugen ungemein ergreifend gewesen sein, auch für sie selbst – war ich erst sieben Jahre alt, das hätte ich wohl in dem zarten Alter nicht goutieren können. Zum Glück wurde sie aber in Bild und Ton Anfang der 1960er Jahre gleich zwei Mal in ihrer Paraderolle verewigt: in einer Produktion der Salzburger Festspiele unter Karajan, und in einem unveröffentlichten Mitschnitt von den Wiesbadener Maifestspielen. Beide Dokumente weisen sie unübertroffen als DIE Marschallin aus, sowohl hinsichtlich ihrer Noblesse, aber auch in dem emotionalen Amalgam aus Wehmut, Pikanterie, Generosität und Überlegenheit. Ihr nimmt man es ab, wenn sie sagt: „Leicht muss man sein: mit leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen“.

Wenn ich so zurückdenke, gab es freilich in früheren Jahrzehnten noch andere wunderbare Marschallinnen: die Schweizerin Lisa Della Casa, die sich nicht zufällig oft mit Schwarzkopf in der Rolle in Salzburg unter Karajan abwechselte, Gundula Janowitz und Gwyneth Jones, die mich so berührten, dass mir am Ende des ersten und dritten Akts die Tränen kamen, sowie in  späteren Jahren  Kiri Te Kanawa und Soile Isokoski.

Dass Karajan sich Anfang der 1980er-Jahre zu der Äußerung verstieg, Anna Tomowa-Sintow sei die Idealbesetzung, nachdem er zuvor mit Schwarzkopf und Della Casa die besten Marschallinnen an Bord hatte, fand ich unfassbar. Ich will nun die Bulgarin nicht schlecht reden, sie sang ganz passabel, aber längst nicht so nuanciert, und eine Grande Dame war sie in ihrem Auftreten eher nicht.

Felicity Lott, lange Zeit in Münchner Rosenkavalieren zu erleben, war mir stets eine Spur zu kühl, ebenso Anja Harteros in einer Produktion in Baden-Baden. Aber das lag zu einem Großteil an der Regie von Brigitte Fassbaender. Ausgerechnet die nun schrieb zwar in der titelgebenden Hosenrolle in den siebziger Jahren Operngeschichte, insbesondere in der Münchner Carlos Kleiber-Einstudierung, aber mit der Marschallin kann Fassbaender wenig anfangen. Das ist nicht nur ein Eindruck von mir, das hat sie mir in einem Interview sogar  eingestanden auf meine Frage hin, ob sie es nicht wie ihre Kolleginnen Sena Jurinac und Christa Ludwig gereizt habe, vom Octavian auf die Marschallin umzusatteln, als die Hosen zu eng wurden. Ein klares „Nein“ erhielt ich da zur Antwort mit der Begründung, dass sie eben dieses Hadern mit dem Alter  und das sich-im-Verzicht-Üben nicht so mag. Vielleicht war es auch einfach so, dass Fassbaender solche emotionalen Befindlichkeiten an sich selbst nicht herankommen lassen wollte. Entsprechend hat sie die Figur als Regisseurin jedenfalls inszeniert, als zu abgeklärt und erhaben über die Leiden. Ich sehe  Anja Harteros noch vor mir, wie sie beim Schlagabtausch mit ihrem Liebhaber unbeteiligt ihre Haare bürstet, als ginge ihr das gar nicht nahe, dass sie den „Buben“ noch dafür trösten müsse, dass er sie „über kurz oder lang wird sitzen lassen“.

Dabei hatte Fassbaender in der besagten Aufführung unter Kleiber mit Gwyneth Jones eine sehr feinfühlige und mitnichten larmoyante Marschallin zur Seite, die allen Facetten der Figur gerecht wurde, wie Hofmannsthal sie sich vorstellte: ein halb mal lustig, ein halb mal traurig.

Deborah Voigt, die ich vor etwa 20 Jahren als Marschallin in Berlin unter Christian Thielemann sah, sang ebenfalls sehr gut, wirkte aber mit ihrer damals noch korpulenteren Erscheinung im Szenischen weniger überzeugend, Michaela Kaune, die in dieser Inszenierung von Götz Friedrich dann etwas später die Rolle übernahm, passte schon besser, erschien fast eher noch zu mädchenhaft und jung.

Am besten aus jüngerer Zeit gefiel mir  Renée Fleming im Baden-Badener Rosenkavalier unter Christian Thielemann, die als  Dame von Welt  überzeugte und an einigen Stellen vom Timbre und seitens ihrer Diktion her verblüffend ähnlich klang wie Schwarzkopf.

Eine Entdeckung in einer Hamburger Aufführung, in der Peter Konwitschny vor längerer Zeit Regie führte, war zudem die Sopranistin Brigitte Hahn, die mit luziden, kristallklaren Spitzentönen in dem herrlichen Terzett Hab mir’s gelobt im dritten Akt aufwartete, wie sie aktuell selten geboten werden. Es war aus meiner Sicht sogar eine der besten Arbeiten von Konwitschny, in der er sich sehr vielschichtig und sensibel mit den drei Frauenfiguren und wechselnden Geschlechteridentitäten beschäftigte.

Christa Ludwig, die erfolgreich im reiferen Alter vom Octavian zur Marschallin wechselte, und von der Leonard Bernstein gesagt haben soll „simply the best“, habe ich leider in der Partie nur auf Platte gehört. Sie lebt, wie sie mir in Interviews wiederholt sagte, mit den Sätzen dieser Figur, „und wenn man das Lassen kann, dann hat man es wirklich leichter“.

In der Titelrolle hat natürlich Brigitte Fassbaender Maßstäbe gesetzt, die – abgesehen von ihren stimmlichen Qualitäten – schon deshalb so gut zu der Rolle passte, weil sie aus ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe zu Frauen nie ein Geheimnis machte. Das entbehrte im ersten Akt, wenn Octavian und Marschallin im Bett zusammen erwachen,  nicht einiger Pikanterie, unweigerlich war sie unendlich beliebt bei lesbischen Opernfans.

Sehr angetan war ich zudem von Sophie Koch in der Titelpartie, die als androgyner Typ eine hervorragende Figur machte.

Unter den großen Sängerdarstellern des Ochs ist gewiss Günter Groissböck in der aktuellen Berliner Staatsopern-Produktion ein hinreißender Komödiant, auch wenn für mich Otto Edelmann, ob nun im Salzburger Film oder Wiesbadener Mitschnitt, als ungeschickter, draufgängerischer Flegel  unübertroffen bleibt.

Unvergessen als Sophie ist natürlich Anneliese Rothenberger, es war die Rolle ihres Lebens. Unzählige Male hat sie sie gesungen, aber irgendwann, als sie Anfang 50 war, erschien es ihr doch nicht mehr passend, wenn der Ochs sie als ein „junges Madel“ bezeichnet, da dachte sie, dass es doch Zeit sei, die Sophie abzugeben, sagte sie mir bei unserem Interview wenige Jahre vor ihrem Tod.

Unter den Sophien, die ich auf der Bühne sah, erinnere ich mich besonders gerne an Christine Schäfer, deren Karriere vor einigen Jahren schon fast unmerklich ohne einen Abschiedsabend endete, und an Diana Damrau.

Im Kontext mit meiner Examensarbeit beschäftigte ich mich selbstredend mit den originalen Bühnen- und -kostümentwürfen für die Uraufführung von Alfred Roller, die mir zeitlos schön erscheinen.

So wie der Rokoko-Charme der Musik eingeschrieben ist, haben mir immer die Inszenierungen am besten gefallen, in denen das Wien Maria Theresias sich wiederspiegelte, insbesondere die unverwüstliche von Otto Schenk in Wien. Aber es muss nicht unbedingt eine opulente Ausstattung her, sie darf nur nicht vulgär sein. So gesehen hatte  die zur Entstehungszeit der Oper angesiedelte von Herbert Wernicke, mit einem ansprechenden Spiegelkabinett im ersten Akt, ihren Reiz.

Unter den moderneren Regiearbeiten gefiel mir am besten  die von Richard Jones 2015  in Glyndebourne. Der hatte eine tolle Idee für die erste Szene:  Da trat die Marschallin nach dem Aufstehen unter die Dusche, dies aber nicht voyeuristisch, vielmehr hielt Octavian ein großes Handtuch vor ihren nackten Körper, so dass das Publikum ihn nicht sehen konnte, was aber die  Fantasie im Kopf ungemein beflügelte. – Dies umso mehr, als nach dem Duschen die beiden Frauen hinter dem Handtuch intime Zärtlichkeiten austauschten.

Tatsächlich werde ich auch heute noch dann und wann bei einer Rosenkavalier-Aufführung  wehmütig, allerdings weniger, weil mich die Sängerinnen so stark anrühren, sondern weil ich den goldenen Jahren nachtrauere, in denen Aufführungen dieses Stückes Dimensionen erreichten, von denen man sich wohl auf absehbare Zeit verabschieden muss.

Kirsten Liese, 28. Februar 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Lieses Klassikwelt (c) erscheint jeden Freitag.
Ritterbands Klassikwelt (c) erscheint jeden zweiten Sonntag.
Posers Klassikwelt (c) erscheint jeden zweiten Sonntag.
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Offenbachs Genie leuchtet mit "Hoffmanns Erzählungen" in Dessau

Das begeisterte Publikum dankte den Künstlern mit anhaltendem großen Beifall, mit vielen Bravorufen für die Sänger, den Chor, das Orchester und den Dirigenten und mit Standing ovations. Eine der folgenden Vorstellungen in Dessau sollte man sich nicht entgehen lassen. Hier stimmte in dieser Repertoire-Vorstellung einfach alles!

Anhaltisches Theater Dessau, 22. Februar 2020
Jacques Offenbach, Hoffmanns Erzählungen (Les Contes d’Hoffmann)
Foto: Anhaltisches Theater Dessau, wikipedia.de (c)

Fantastische Oper in fünf Akten. Libretto von Jules Barbier

von Guido Müller

Am Anhaltischen Theater Dessau feiert die musikalisch herausragende, in der Inszenierung stringente, emotional stark berührende wie auch humorvolle Produktion der Oper „Hoffmanns Erzählungen“  von Jacques Offenbach einen großen Publikumserfolg. Das gilt seit der Premiere am 25. Oktober 2019 auch für die in teilweise neuer Besetzung am 22. Februar 2020 gegebene Vorstellung.

Da die Oper vor dem Tode Offenbachs nicht bühnenreif vollendet war, steht jedes Opernhaus vor der Frage der zu spielenden Fassung. Dessau greift erfreulicherweise auf die umfangreiche Oeser-Fassung in französischer Fassung mit ein paar kleineren Umstellungen zurück. Das bedeutet gute zweieinhalb Stunden Opernglück in dem großen Opernhaus, einem Riesenbau von 1938. „Jacques Offenbach, Hoffmanns Erzählungen (Les Contes d’Hoffmann),
Anhaltisches Theater Dessau, 22. Februar 2020“
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Die FREITAG-PRESSE – 28. FEBRUAR 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die FREITAG-PRESSE – 28. FEBRUAR 2020
Foto: Plácido Domingo, © Greg Gorman

Persönliche Stellungnahme von Plácido Domingo auf seiner Facebook-Seite
Placido Sunday – Mexico 2.27.2020

I feel like I must issue an additional statement to correct the false impression generated by my apology in some of the articles that reported on the AGMA investigation.
My apology was sincere and wholeheartedly, to any colleague I may have hurt in any way for anything I have said or done. As I have repeatedly stated, it has never been my intention to hurt or offend anyone.

But I know what I haven’t done and I will deny it again. I’ve never behaved aggressively to anyone, and I’ve never done anything to obstruct or harm anyone’s career. On the contrary, I have dedicated much of my half-century in the opera world to supporting industry and promoting the career of countless singers.

I am so grateful to all the friends and colleagues who so far, have believed in me and supported me in these difficult times. To prevent you from affecting, harm or cause any additional inconvenience, I have decided to retire from my upcoming La Traviata performances at the Teatro Real in Madrid.

In addition, I will retire from theatre performances and companies that have difficulty in carrying out those commitments. On the other hand, I will fulfill all my other commitments where circumstances allow.

Madrid
Plácido Domingo sagt Auftritte im Madrider Teatro Real ab
Der Opernstar wollte mit seiner Entscheidung möglicherweise einer Absage durch das Theater zuvorkommen. Anfang der Woche hatte er sexuelles Fehlverhalten zugegeben
Der Standard

Die Heimat kehrt Placido Domingo den Rücken
Nach dem Schuldspruch gegen Harvey Weinstein kann sich „MeToo“-Bewegung weiteren Erfolg auf die Fahnen schreiben.
Wiener Zeitung

Hamburg/ Elbphilharmonie
Der strahlende Ausklang des himmlischen Chores krönt einen eindrucksvollen Auftritt, der noch lange in Erinnerung bleiben wird
Kann der irdische Schmerz überwunden werden? Kann der Satan besiegt werden? Werden sich letztlich die himmlischen Mächte durchsetzen? Auf Basis der Seligpreisungen aus der Bergpredigt komponierte César Franck Ende des 19. Jahrhunderts ein selten aufgeführtes Oratorium der französischen Romantik. Der Symphonische Chor Hamburg führte dies mit ausgewählter Solistenbesetzung souverän im Großen Saal der Elbphilharmonie auf.
Frank Hörster berichtet aus der Elbphilharmonie
Klassik-begeistert

Coronavirus an der Oper: Mailänder Scala bleibt geschlossen
Nach der Infektion eines Chormitglieds werden die Aufführungen bis Montag ausgesetzt. Bürgermeister Sala fordert die Wiedereröffnung der Museen
Der Standard
Mailänder Scala bleibt bis mindestens 2. März geschlossen
Auch die weltweit größte Möbelmesse findet nicht statt
Wiener Zeitung „Die FREITAG-PRESSE – 28. FEBRUAR 2020“ weiterlesen

"Madama Butterfly" fasziniert  jenseits exotischer Klischees im Teatro Comunale di Bologna

Karah Son: Ihre stimmlichen Kräfte als Madama Butterfly sind überragend. Sie singt mit einer herrlichen Strahlkraft, schön, stark und präzise und lässt sich auch musikalisch nie auf pathetischen Schwulst ein. Eine ideale Premierenbesetzung. Auch der Pinkerton des sizilianischen Tenors Angelo Villari verzichtete auf tenoralen Schmelz und setzte an dessen Stelle kraftvoll-männlichen Ausdruck: Ein Macho, kein Sentimentalist.

Teatro Comunale di Bologna, 20. Februar 2020 (Première)
Giacomo Puccini, Madama Butterfly
Foto: Karah Son (c)

von Charles E. Ritterband

Auf der Bühne des einmaligen – 1763 eröffneten – Teatro Comunale di Bologna, einem der bedeutendsten Opernhäuser Italiens, durften wir eine Madame Butterfly erleben, welche die meisten Inszenierungen dieser populären Oper in den Schatten stellt. Die herausragende Qualität dieser Produktion liegt nicht nur an der Titelfigur Cio-Cio-San, hervorragend verkörpert und fantastisch gesungen von der südkoreanischen Sopranistin Karah Son, sondern gleichermaßen an der ausgezeichneten Regie (Damiano Michieletto) und dem frappierend realistischen Bühnenbild (Paolo Fantin). „Giacomo Puccini, Madama Butterfly,
Teatro Comunale di Bologna, 20. Februar 2020 (Première)“
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Ein perfekt inszeniertes Fest für alle Sinne: "Nabucco" begeistert im Teatro Regio in Turin

Foto: © Edoardo Piva

„Dieser Nabucco – ästhetisch und gesanglich einer der besten, die ich je gesehen habe – bekräftigt den Rang des „Regio“ als eine der allerersten Opernbühnen Italiens und wohl auch Europas insgesamt. Diese Aufführung kann sich mit allem messen, was namhaftere Opernhäuser zum Thema „Nabucco“ geboten haben.“

Teatro Regio Torino, 21. Februar 2020

Giuseppe Verdi, Nabucco

von Charles E. Ritterband

Turin mit seinen eleganten, endlos scheinenden Kolonnaden, den ausladenden Plätzen und dem mit üppigen Goldornamenten beladenen Königspalast leistet sich ein Opernhaus allerersten Ranges, das jedoch etwas im Schatten der nahen Scala di Milano und des legendären Teatro la Fenice in Venedig steht: Erst 1973 eröffnet, ist dieser kühne Neubau ganz im Stil der 70er Jahre der Nachfolger des alten, 1740 eingeweihten Theaters, das 1936 (wie das „Fenice“) den Flammen zum Opfer fiel. Im alten Theater war Arturo Toscanini Chefdirigent von 1895 bis 1898 und unter seiner Stabführung erlebten mehrere Opern Richard Wagners in diesem Haus ihre italienische Erstaufführung. „Giuseppe Verdi, Nabucco,
Teatro Regio Torino, 21. Februar 2020“
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Elbphilharmonie: Der strahlende Ausklang des himmlischen Chores krönt einen eindrucksvollen Auftritt, der noch lange in Erinnerung bleiben wird

Elbphilharmonie Hamburg, Großer Saal, 23. Februar 2020
César Franck, Les Béatitudes

Symphonischer Chor Hamburg
Bremer Philharmoniker

Hanna Zumsande, Sopran
Fiorella Hincapié, Alt
Marion Eckstein, Alt
Iler Arcayürek, Tenor
Mirko Ludwig, Tenor
Matthias Winckhler, Bariton
Sorin Coliban, Bass
Emanuel Fluck, Bass
Sönke Tams Freier, Bass

Matthias Janz, Leitung

von Frank Hörster

Kann der irdische Schmerz überwunden werden? Kann der Satan besiegt werden? Werden sich letztlich die himmlischen Mächte durchsetzen? Auf Basis der Seligpreisungen aus der Bergpredigt komponierte César Franck Ende des 19. Jahrhunderts ein selten aufgeführtes Oratorium der französischen Romantik. Der Symphonische Chor Hamburg führte dies mit ausgewählter Solistenbesetzung souverän im Großen Saal der Elbphilharmonie auf.

Die kontrastreiche Anlage des Stückes von Franck zieht sich durch das Gesamtwerk und wird glanzvoll von Chor, Orchester und Solisten interpretiert. Irdischer und himmlischer Chor, dunkel und hell, Satan und Christus – die Gegensätze tragen das Stück und fesseln den Zuhörer.  „César Franck, Les Béatitudes, Symphonischer Chor Hamburg,
Elbphilharmonie Hamburg, Großer Saal, 23. Februar 2020“
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Die DONNERSTAG-PRESSE – 27. FEBRUAR 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die DONNERSTAG-PRESSE – 27. FEBRUAR 2020
Foto: Plácido Domingo, © Chad Batka

Madrid wirft Placido Domingo raus
Tagesspiegel

Auftritte von Plácido Domingo auf dem Prüfstand
Der Standard

Placido Domingo war Teil eines Machtsystems
Das reine Auftürmen öffentlicher Abrechnungen mit prominenten Tätern kann dem MeToo-Lernziel auch im Weg stehen.
Die Presse

El Ministerio de Cultura cancela las actuaciones de Plácido Domingo en el Teatro de La Zarzuela
https://elpais.com/cultura/2020/02/26/actualidad/1582724579_387425.html

Superwoman und die Liebe. Warum so viele Regisseure an Beethovens „Fidelio“ scheitern.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-superwoman-und-die-liebe-1.4818799

Mannheim
Neue Opern-Revue kommt auf die Bühne
Ohne einen kleinen Warnhinweis ging es am Ende nicht: „kein Musical“. Der ist auch nötig, wenn man eine derart populäre, vieldeutige Überschrift benutzt: „Phantome der Oper“ nennt Jan Dvorák die Revue mit Hits aus vier Jahrhunderten Musiktheater, die er mit dem Regisseur und Filmemacher Philipp Stölzl für das Nationaltheater konzipiert und vor der Mannheimer Premiere schon vor ausgewähltem Publikum auf ihre Bühnenwirksamkeit getestet hat.
https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-kultur-neue-opern-revue

Wien
Packende Uraufführung in Wien von Saarbrücker „Artist in Focus“
Saarbrücker Zeitung

Wien
Solo-Cellist der Philharmoniker: Fristlose bleibt aufrecht Bezahlartikel
Der Cellist N. wollte den Prozess, den er gegen die Musikuni angestrengt hatte, fortsetzen. Und blitzte bei der Richterin ab.
Kurier

Wiener Staatsoper: Solo-Cellist wurde fristlos entlassen
Der Solo-Cellist, der bereits aus der Wiener Musikuniversität entlassen worden war, wurde am Mittwoch auch von der Staatsoper fristlos entlassen. Das wurde dem KURIER aus der Staatsoper bestätigt.
Kurier

Wien/ Freudenau
FreudeNow-Absage: Rehe statt Wagner
Der Klassik-Großevent wäre laut Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger nachteilig für die Wildtiere im Prater.
Wiener Zeitung

Gelsenkirchen
„Die Macht des Schicksals“: Ein polarisierender Verdi in Gelsenkirchen
Vorwegzunehmen wäre: Wenn man eine 56-jährige italienische Freundin, die nie zuvor in ihrem Leben eine Oper live gesehen und gehört hat, zur Premiere von „La Forza del destino“ im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen mitnimmt, sie vor Begeisterung „la mia lingua – meine Sprache“ haucht und bei den Arien vor Rührung weint, dann hat die Inszenierung von Michael Schulz den Sinn von Oper, von bestechender Schönheit einfach erreicht. Punkt.
Barbara Seppi berichtet aus dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
Klassik-begeistert

Sommereggers Klassikwelt 24: Jonas Kaufmann – Kunst versus Kommerz
Sicher, es ist Kaufmanns Entscheidung, das alles mitzumachen, aber man wird den Eindruck nicht los, dass da auch deutlicher Druck von seiner Agentur und seiner Plattenfirma gemacht wird. Die wollen die Kuh melken, solange sie Milch gibt.
Peter Sommeregger berichtet aus seiner Klassikwelt
Klassik-begeistert

Moskau
Moskau: Ein Mozart zum Einschlafen und ein Strawinsky zum Berauschen

Auch wenn die Eigenbezeichnung als „populärstes und beliebtestes Kammerorchester der russischen Hauptstadt“ nur mit Einschränkungen zu akzeptieren ist, ist das Music Viva Kammerorchester seit nun fast drei Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Moskauer Musiklebens.
Lukas Baake berichtet aus dem Tschaikowsky-Konzertsaal in Moskau
Klassik-begeistert „Die DONNERSTAG-PRESSE – 27. FEBRUAR 2020“ weiterlesen

Das Ensemble Modern begeistert mit den Werken Frank Zappas in der Elbphilharmonie

Frank Zappa
Ensemble Modern /
Jonathan Stockhammer

Ulrich Poser berichtet über das Konzert des Ensemble Modern in der Elbphilharmonie vom 22. Februar 2020

Foto: © Maxim Schulz
Wer war Frank Zappa? Diejenigen, die ihn nicht kennen, bezeichnen ihn gern als Bürgerschreck. Diese Bezeichnung beruht auf einer Fotografie, die Frank Zappa auf der Toilette zeigt, ist aber unzutreffend, da er nie ein Bürgerschreck war. Frank Zappa war ein begnadeter Komponist, dessen Schaffen von einigen in das Genre Progressiv-Rock eingestuft wird.

„Ensemble Modern, Jonathan Stockhammer, Frank Zappa, Elbphilharmonie, 22. Februar 2020“ weiterlesen

Moskau: Ein Mozart zum Einschlafen und ein Strawinsky zum Berauschen

Foto: Das Kammerorchester Musica Viva © meloman.ru

Tschaikowsky-Konzertsaal Moskau, 22. Februar 2020

Dirigent, Alexander Rudin
Klavier, Vadim Kholodenko
Klavier, Lukas Geniuŝas
Klavier, Andrey Gugnin
Musica Viva Kammerorchester

W. A. Mozart
Drei Märsche: D-Dur, KV 290; F-Dur, KV 248; D-Dur, KV 445
7. Klavierkonzert in F-Dur, KV 242

Giovanni Battista Pergolesi
Ouvertüre der Oper “L’Olimpiade”

Igor Stravinsky
Pulcinella-Suite

von Lukas Baake

Auch wenn die Eigenbezeichnung als „populärstes und beliebtestes Kammerorchester der russischen Hauptstadt“ nur mit Einschränkungen zu akzeptieren ist, ist das Music Viva Kammerorchester seit nun fast drei Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Moskauer Musiklebens.

Dies zeigte sich auch an diesem Samstagabend, an dem es dem Ensemble gelang, den ehrwürdigen Tchaikowsky-Konzertsaal mit einem Programm zu füllen, dessen innerer Zusammenhang nicht unbedingt ersichtlich war. Die 1500 Plätze umfassende Konzerthalle ist neben dem Bolschoi Theater, dem staatlichen Konservatorium und dem erst 2018 eröffneten Sarjadje Konzertsaal eine der zentralen Spielstätten klassischer Musik in der russischen Hauptstadt. Von der vergleichsweise kleinen Bühne abgehend, öffnet sich der Saal mit steilen Tribünen und erinnert an ein griechisches Amphitheater. Die Bestuhlung ist einem kitschigen Weißton gehalten, der sich auch an den klassizistischen Säulenreihen findet. „Musica Viva Kammerorchester, Alexander Rudin,
Tschaikowsky-Konzertsaal Moskau, 22. Februar 2020“
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